Erziehung und die vielen Hundeprofis

Schon immer war das Thema «Erziehung» ein Thema, worüber Hundebesitzer sich gestritten haben. Es gibt so viele Ansichten wie es eben am besten ist und was man sollte und was nicht. Auf diversen Plattform herrscht täglich teilweise hässlicher Krieg, weil jeder meint wie er es macht ist richtig. Man könnte sich im Prinzip den ganzen Tag damit beschäftigen im Netz Hundebesitzerfights anzusehen und wäre besser unterhalten als bei manch einer Serie. Das klingt lustig, in Wahrheit ist das ziemlich traurig. Egal, was man macht, es kommt immer ein Horst mit hoch gezogenem Finger daher, der was zu motzen hat.

Auch da schreit man wieder nach Toleranz und Akzeptanz, von beidem fehlt aber jede Spur. Ich gestehe, ich halte mich nicht mehr auf so Plattformen auf. Ich kann diese Möchtegern-Superprofihundetrainer und die Besserwisser effektiv nicht mehr ertragen. Ich eklige mich von diesem Assiverhalten. Es ist traurig, aber wahr. Ich möchte mich dabei nicht absetzen in der Meinung das ich es sowieso besser weiss, nein darum geht es nicht. Aber, selbst wenn ich sehe das jemand «Fehler» macht, würde es mir nie in den Sinn kommen, in einer besserwisserischen negativen Haltung auf die Person einzuquatschen. Woher hätte ich das recht? Kritik auszuüben ist ok, Tipps zu geben ist ok, seine Meinung zu äussern, wenn man gefragt wird ebenfalls, doch die Frage ist dabei doch immer wie.

So manch selbst ernannter Hundeprofi täte gut daran sich selbst mal resozoalisieren zu lassen, um sich einen besseren Umgang mit seines gleichen zu schaffen. Hundeerziehung ist nicht immer leicht, es passieren allen viele Fehler, das ist klar und auch ok, man kann ja dazu lernen. Wir lernen aber glaube ich alle besser und lieber, wenn die Lektionen nicht mit Hass erfüllt sind. Diese Intoleranz fängt bereits beim Gassigehen an. Wenn ich mit meinen Hunden an der Leine oder im Fuss spazieren gehe und mir kommt an unangeleinter Hund entgegen ist das für mich und die Hunde eine doofe Situation. Dumm vom Halter des frei laufenden Hundes, dass er diese Situation schafft, aber ihn nun bösartig anzukeiffen bringt in dieser Situation auch nix, eher das Gegenteil ist der Fall.

Also regle ich die Situation so gut es geht selbst. Danach kann man Herr/Frau immer noch vernünftig erklären, warum das ziemlich ungeschickt gewesen war und das man doch das in Zukunft vermeiden sollte. Evt. war es nicht mal böse Absicht, das kann auch sein. Im Training ist mir auch schon mal ein Hund abgehauen und ist zu dem anderen Hund gerannt, das kann und darf auch mal passieren. Den, weder ich noch mein Hund ist eine Maschine. Man kann das aber ruhig und souverän klären. In manche Situationen geht es nicht, ist klar, immer dann, wenn man einen asozialen Menschen vor sich hat. Ich hatte in meiner «Karriere» auch schon idiotische Zusammenstösse mit Menschen, die überhaupt nichts verstanden und nicht zugehört haben und panisch waren.

Mir tun dabei die Hunde leid, den ich bin immer ruhig und kontrolliert, schliesslich muss ich den Hunden ja vermitteln, das alles ok ist. Das Wesen Hund ist nicht für alle so leicht zu lesen und es passieren im Umgang mit ihnen wirklich viele Fehler, das ist eben so. Aber man macht es nicht besser, wenn man abweisend und uneinsichtig stur seine Wege zieht. Bei den vielen Methoden und Praktiken, die es gibt, schaue ich immer was wie wann gut wäre und bin stets offen dazuzulernen. Ich habe das Glück Hunde gut lesen zu können daher fällt mir die Erziehung und der Umgang leichter, trotzdem bin ich nicht allwissend. Wenn ich unterrichte dann ebenfalls nicht mit der Haltung das nur das, was ich tue, korrekt ist.

Es gibt so viele Mittel und Wege und was für den einen Hund passt, passt eben für den anderen nicht. Aber selbst wenn Herr Gustav seinen Hund nach Methode XY erzieht und damit zufrieden ist, geht es mich nichts an und ich hab da auch nicht meinen Senf dazu zu äussern. Es ist weder meine Aufgabe noch die von jemand anderem Moralapostel in der Hundewelt zu spielen. Das ist ultra unsexy und unsymphatisch. Helfen, wenn man gefragt wird, ist etwas anderes und völlig ok. Es wäre doch jedem mehr geholfen, wenn wir Hundebesitzer auch etwas sozialer untereinander wären, anstatt uns ständig anzukeiffen weil uns die Erziehungsmethode des anderen nicht gefällt. Vielfach beobachte ich die, die einsam ihre Wege ziehen und ganz darauf bedacht sind keine Artgenossen zu treffen oder die, die unbedingt und um jeden Preis Kontakt haben wollen.

Irgendwie muss ich über beides schmunzeln und verstehe es auch. Wenn man ein Rudel hat oder ein Asozialen-Hund, scheisst man auf Hundebegegnungen und wenn man ein friedlichen Wuffi hat der «nur» spielen will, möchte man eben Kontakt, damit er sich austoben kann. Nun, ist ja beides nachvollziehbar und kann man auch so machen. In beiden Fällen ist das aber nicht unbedingt oder zwingend ideal. Ich begegne mit meinem Rudel gerne zur Übung immer mal wieder Hunden, manchmal passt die Chemie sogar und ich lasse sie nach einem Moment sogar spielen. Dabei sind schon nette Momente und Gespräche entstanden.

In eine Hundegruppe sind wir auch schon geplatzt, wenn die Hunde sozial sind und oder vom Besitzer kontrolliert, kann auch das schöne Momente geben. Wer aber mit einem Rauffer in eine Hundegruppe geht und den nicht unter Kontrolle hat, schafft sich zu recht Feinde. Ihr merkt, vieles in der Hundewelt hat mit eurer eigenen Sozialkompetenz zu tun. Das vermittelt ihr auch eurem Hund. Wenn wir schon nach Toleranz und Akzeptanz schreien, müssen wir selbst auch nach diesem Motto vorangehen. Von nichts, kommt nichts.

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