Voll geladen

Wir kennen sie alle, die voll gestauten Energiehündchen, die kaum warten, können bis man endlich spazieren geht. Schon, wenn man an die Leine denkt hüpfen sie auf und ab vor Freude und sind kaum noch zu bändigen. Vielleicht hat man so ein Gummiball Exemplar Zuhause, vielleicht kennt man aber einfach sonst jemand, der so was Tolles sein Eigen nennt. Teilweise ist das echt sau lustig anzusehen aber lustig ist es eigentlich gar nicht. Da kann nämlich jemand so gar nicht mit seiner Energie richtig umgehen und Geduld ist ein Fremdwort. Ein entspannter Spaziergang wird das mit so einem Exemplar vermutlich nicht aber vielleicht ist dem Besitzer auch schon längst nicht mehr bewusst, was denn entspannt heisst, schliesslich gewöhnen wir uns sehr schnell an «Umstände».

Für mich beginnt der Spaziergang bereits an der Haustüre, wenn ich meine Hunde fertig mache zum rausgehen. Sobald sie merken wir gehen, werden sie auch zappelig und freuen sich. Ist auch schön, wenn sie sich freuen. Sobald die Freude überschwappt, korrigiere ich sie allerdings. Warum, weil ich nicht mit einer Meute zappelnder Hunde durch die Gegend gerissen werden will und auch weil zu viel Energie, die gestaut ist, gerne kippen kann und es damit zu Problemen kommen kann. So weit sollte man es nicht kommen lassen. Wenn man jetzt nur einen zappeligen voll geladenen Hund hat, wird sich diese Energie und damit Frust sehr oft an anderen Dingen entladen. Das können fremde Hunde sein oder andere Dinge die den Hund in den Moment reizen. Aber gehen wir zurück zum Anfang.

Bevor man das Haus verlässt, sollte man den Hund in eine entspanntere Stimmung bringen. Kurze Freude ok und dann wieder gesittet. Ich leine alle an, nachdem sie ruhig sitzen und warten. Nur, wenn sie ruhig sind, öffne ich die Türe. Aber eine offene Türe heisst nicht, das man sofort rausspringen darf. Erst, wenn ich es erlaube. Oft sind die Hunde auch unangleint und je nach Situation und Stimmung rufe ich sie einzeln raus. Da wir öfters mit dem Auto unterwegs sind, Leine ich sie die paar Meter durch den Garten nicht an. Wenn die Stimmung geladen ist (ich habe keinen Hund der extrem überdreht) setze ich sie vor dem Auto ins sitz und lasse sie einzeln ins Auto. Warum tue ich das? Nun, teilweise mag das sehr anstrengend sein aber die Hunde kommen durch die Anweisungen zur Ruhe und sind viel kontrollierter.

Das gleiche Spiel passiert an unserem Spaziergangsort. Je nach Stimmung lasse ich sie einzeln raus, wenn ich den Kofferraumdeckel öffne, lasse sie warten und rufe einzeln jeden Hund raus, setze sie ins Platz, mache je nach Situation eine Leine an und gehe zuerst ruhig ein paar Schritte bis die erste Aufregung verflogen ist. Ich mache das nicht immer so akribisch, je nachdem wie die Hunde und die Energie gerade ist. Meine Mädels sind sehr ausgeglichen, da braucht es nicht viel. Hat man aber eben so ein Energiepaket, welches sich nicht gut im Griff hat, kann das zur Geduldsprobe werden. Bei manchen Hunden geht es mit einem entspannten Spaziergang nicht.

Der Grund ist tatsächlich die viele Energie. Manchmal muss die einfach raus, weil sonst eine zusammen Arbeit echt kompliziert wird und super anstrengend. Nun aber aufgepasst. Man kann die Energie mit Sport entladen, zum Beispiel Ball spielen bevor man spazieren geht oder Frisbee, aber wenn man das Regelmässig tut, wird der Hund bis zu diesem Zeitpunkt noch nervöser, weil er sich auf dieses Spiel freut. Es ist also im Prinzip kontraproduktiv. Viel besser wäre es den Hund kontrolliert auszulasten. Eine kontrollierte schnelle, kurze fahrt mit dem Rad wäre ideal, wenn das nicht geht, kann man dem Hund auch bei bringen den Prey Dummy (Futterbeutel) zu apportieren. Denn, da braucht er die Konzentration und die Nase und lenkt seine Energie komplett auf das.

Die Dummyarbeit kann man während dem Spaziergang machen und kann so den Hund recht gut beschäftigen und seine Energie kontrolliert entladen. Angestaute Energie und keine Disziplin sind übrigens oft der Auslöser für Auffälligkeiten wie Leinenaggression. Der Hund ist frustriert, geladen und hat keine klare Anweisung, dieser Frust muss raus, da eignet sich ein anderer Hund ideal als Opfer. Daher lohnt es sich etwas Disziplin und Ordnung zu schaffen und das eben schon hinter der Haustüre. Ein Spaziergang mit einem voll geladenen Hund ist nicht entspannend, ich weiss das. Aber je nach Hund gibt es da Lösungen, die es besser machen. Der Beginn ist aber immer an der Haustüre und vieles ist von euch selbst abhängig. Ruhige, kontrollierte Abläufe helfen auf jeden Fall.

Scroll to Top